Pflegepreis verliehen

Im feierlichen Rahmen wurde die Trausdorferin Mirjana Kljajic am 30. November 2015 im Landtagssitzungssaal des Landhauses in Eisenstadt mit dem Pflegepreis der AUVA ausgezeichnet.

In einer Aussendung zum Pflegepreis hat die AUVA das Leben und die tägliche Pflegearbeit der Pflegepreisträgerin beschrieben:

Seit vier Jahren pflegt Mirjana Kljajic ihren Gatten Zvonko. Jetzt wurde sie mit dem Pflegepreis der AUVA-Landesstelle Wien ausgezeichnet. Dieser Preis wird an Menschen verliehen, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen auf Grund der Folgen von schweren Arbeitsunfällen betreuen und damit viele Belastungen auf sich nehmen. Im Gespräch schildert Mirjana Kljajic ihren Alltag als pflegende Angehörige.

Schicksalstag 3. August 2010

Der 3. August veränderte das Leben der Familie Kljajic für immer. Bei Stemmarbeiten auf einer Terrasse stolperte Zvonko Kljajic und stürzte aus ca. drei Metern Höhe. Dabei erlitt er schwerste Kopfverletzungen. Es folgte ein Monat zwischen Leben und Tod auf der Intensivstation des UKH Wien Meidling und danach eine lange Zeit der Reha im RZ Meidling.

Entgegen manchem Rat, sie solle ihren Mann besser in ein Pflegeheim geben, war für Mirjana Kljajic immer klar: Sie möchte ihren Mann zu Hause pflegen. Bereits während der Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte hat sie sich intensiv um Zvonko gekümmert, ist keinen Tag von seiner Seite gewichen.

In dieser schweren Zeit war es Mirjana Kljajic wichtig, dass ihr Mann seine positive Lebenseinstellung nicht verliert. Selbstmitleid war von Anfang an keine Option. „Ich wusste, wenn ich jetzt aufgebe und Selbstmitleid habe, dann sind alle unglücklich –mein Mann, die Kinder und ich. Dann würde unsere Familie nicht mehr existieren“, erzählt Mirjana.

Obwohl Zvonko eine Zeit lang im Wachkoma lag, ist Mirjana optimistisch geblieben. Immer wieder hat sie ihn spielerisch zum Aufwachen motiviert und ihm gesagt: „Du alter Kämpfer musst jetzt aufwachen und aufstehen!“ Das hat er dann auch getan.

Der lange Weg zur Besserung

Im Juni 2011 kam Zvonko Kljajic dann endlich nach Hause. Seitdem hat sich sein Zustand stetig verbessert – nicht zuletzt aufgrund der bedingungslosen Pflege, Liebe und Willensstärke seiner Frau, die ihn nie aufgegeben hat.

Zvonko redet wieder. Auch essen und trinken kann er selbstständig. Da die Beine gelähmt sind, ist er auf den Rollstuhl angewiesen. Die Arme kann er eingeschränkt, aber aktiv bewegen. „Keiner hat geglaubt, dass er das alles ohne Unterstützung wieder können wird. Aber ich habe nie aufgegeben und habe mit ihm geübt und geübt“, berichtet Mirjana.

Motiviert wird Mirjana durch die Fortschritte ihres Mannes. „Wenn ich merke, dass etwas Neues bei ihm kommt, wenn er etwas Neues gesagt oder gemacht hat – dann bin ich unbeschreiblich glücklich. Das gibt mir so viel Kraft“ erzählt sie. Auch wenn es oft nur kleine Schritte sind, es geht immer etwas weiter.

Einen Stillstand gab es noch nie.

Der Alltag: Zwischen Routine und Humor

Der Tag beginnt um 8:00 Uhr früh. Mirjana setzt Zvonko in den Rollstuhl, gemeinsam frühstücken sie. Wenn das Wetter schön ist, geht die Pflegehilfe am Vormittag mit Zvonko ins Freie, bei Schlechtwetter übt er am Motomed Bewegungstrainer. In der Zwischenzeit geht Mirjana einkaufen oder holt Medikamente vom Arzt.

Dann bereitet sie das Mittagessen zu.

Um 12:00Uhr gibt es Mittagessen, danach bringt sie Zvonko wieder ins Bett. Bis 16:00 Uhr darf kein Besuch oder Anruf stören, denn Zvonko braucht seine Ruhe. Am Nachmittag steht ein Spaziergang im elektrischen Rollstuhl am Programm. Um 19:00 Uhr gibt’s Abendessen. Anschließend wird Zvonko geduscht, gegen 20:00 Uhr heißt es dann ab ins Bett. Um 22:00 Uhr und 03:00 Uhr früh läutet der Wecker – denn dann muss Zvonko umgelagert werden.

Unterstützung durch Nachbarn und Verwandte

Viel Kraft bekommt das Ehepaar auch durch ihre Kinder, Verwandten und Nachbarn.

Ihre ältere Tochter Marina lebt mit ihrem Ehemann in Tirol, ruft aber täglich zwei bis drei Mal an. Der jüngere Sohn, Josip, studiert in Wien, kommt regelmäßig an den Wochenenden und zu den Feiertagen, um seine Mutter zu entlasten.

Zvonko hat sieben Geschwister, die ihn regelmäßig besuchen. Vor allem seine Zwillingsschwester und seine Nichte kommen jede Woche und helfen Mirjana auch bei der Pflege.

Auch Zvonkos ehemaliger Chef, Ing. Karl Schiller von der Firma „Schillerbau“, hilft bis heute sehr und kommt regelmäßig zu Besuch. Er war es auch, der damals die neue Wohnung in Trausdorf für sie gefunden hat. Damit Zvonko im Freien sitzen kann, hat sein Chef bei der Vergrößerung und Überdachung der Terrasse geholfen und die Umbauarbeiten finanziell unterstützt.

Momente des Glücks

Der dreiwöchige Aufenthalt im Orthopädischen Krankenhaus in Rovinj in Kroatien, den ihnen die AUVA ermöglicht hat, brachte positive Veränderungen. Die Tage am Meer haben beiden gut getan. Sie haben viele neue Leute kennengelernt und Mirjana bemerkte, dass Zvonko begonnen hat, sehr viel zu reden.

Ein zweiter Heiratsantrag

Mirjana und Zvonko sind seit 28 Jahren verheiratet. Durch den Unfall sind sie noch enger zusammengewachsen. Zvonko hat ihr kürzlich sogar einen neuerlichen Heiratsantrag gemacht.

Mit dem Pflegepreis möchte Mirjana anderen Menschen Mut machen und zeigen, dass ein solcher Schicksalsschlag nicht das Ende ist, sondern ein neuer Anfang. Eine Aufgabe, an der beide Partner wachsen können.

Auf die Frage, was sie anderen Angehörigen raten würde, sagt sie: „Man muss es nehmen, wie es kommt. Man muss akzeptieren, dass man gewisse Dinge nicht ändern kann. Mir ist klar, dass mein Mann nie wieder so sein wird, wie er einmal war. Deswegen muss man das Beste aus der Situation machen, so wie sie ist."

Trotz aller Mühsal ist Zvonko Kljajic ein lebensfroher Mann geblieben – er ist nie traurig oder wütend. Und auch Mirjana kann nicht böse auf ihn sein.
Mirjana erzählt, dass er oft Witze macht – so wie früher, meistens auf eigene Kosten. „Sogar um 03:00 Uhr morgens, wenn wir ihn umlagern bringt er uns regelmäßig zum Lachen. Ich sage dann ‚Wenn uns jetzt jemand draußen hört, dass wir um 03:00 Uhr morgens so lachen‘ das ist wirklich unglaublich“.

(Quelle: AUVA)

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