Feierliche Eröffnung des Hochwasserschutzes

Am Samstag, 14. Mai 2011, wurde der lineare Hochwasserschutz für Trausdorf eröffnet. Auch wenn das Programm durch ein Unwetter kurzfristig unterbrochen wurde, zeigte sich eindrucksvoll, wie wichtig und sinnvoll die durchgeführten Schutzmaßnahmen an der Wulka sind.

Festgäste und Kinder mit gelben Plastikenten

Fotos von der Veranstaltung sind unter folgendem Link zu sehen: Fotoseite von Viktor Fertsak - Hochwasserschutz-Festakt .

Der letzte Abschnitt des neuen Hochwasserschutzes war erst kurz vor dem Festakt fertiggestellt worden - durch die eingeleiteten Maßnahmen konnte die Durchflussmenge von rund 29 m³/s auf 46 m³/s vergrößert werden. Trausdorf war die einzige Gemeinde, die sofort gehandelt hat. Durch die durchgeführten Baumaßnahmen ist unsere Heimatgemeinde ein großes Stück sicherer geworden!

Ausstellung anlässlich der Hochwasserschutz-Eröffnung

Rückblick auf die Ereignisse vom 25. Juni 2009

Der 25.6.2009 war ein Sommertag, wie er nicht hätte schöner sein können – nach tagelangen Regenfällen zeigte sich gleich am frühen Morgen die Sonne und niemand hätte geahnt das dieser Tag die größte Katastrophe für unsere Gemeinde mit sich bringen würde.

Am Abend davor hatten Gemeindevertreter gemeinsam mit der Feuerwehr bis gegen 23 Uhr im Feuerwehrhaus Wache gehalten und stündlich die Pegelstände der Wulka kontrolliert. Zusätzlich hatte unsere Feuerwehr auch gefüllte Sandsätze vorbereitet.

"Als ich gegen halb sieben Uhr in der Früh die Lage überprüfte und die Linke Wulkazeile flussabwärts fuhr, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen als beim Haus Carich die Wulka über die Ufer zu treten begann", berichtete Bürgermeister Viktor Hergovich. "Ich alarmierte sofort die Feuerwehr und es gelang mit vereinten Kräften und den vorbereiteten Sandsäcken betroffene Häuser in der Linken Wulkazeile kurzfristig zu sichern."

Während am Abend davor die Wulka nur langsam angestiegen war, hat sich der Pegelstand der Wulka an diesem Morgen jedoch innerhalb kürzester Zeit um rund einen halben Meter erhöht. Diese plötzliche Flutwelle hat uns ohne Vorwarnung getroffen. Unterhalb der Magdalenabrücke auf Höhe des Grundstückes Herbig ist die Wulka nordwärts über die Ufer getreten und hat das gesamte Wohngebiet im Bereich von Neubaugasse bis Fasangasse überschwemmt. Erst gegen die Mittagszeit, als es den Einsatzkräften gelungen war, einen Damm zu errichten bzw. das Hochwasser langsam zurückging, normalisierte sich die Lage zusehends. Insgesamt waren vom Hochwasser rund 35 Häuser und zahlreiche Grundstücke direkt bzw. indirekt betroffen. Insgesamt wurde bei der Friedhofsbrücke eine Durchflussmenge von 29,7 m³/s gemessen.

In Folge des Hochwassers kam es zum größten Feuerwehreinsatz in der Geschichte unserer Gemeinde. Rund 180 Feuerwehrleute aus 9 Gemeinden waren im Einsatz. Großartig war auch die Unterstützung aus der Ortsbevölkerung – rund 120 m³ Sand wurde mit Hilfe der freiwilligen Helferinnen und Helfern in Säcke gefüllt und zur Absicherung der Häusern und Kellerabfahrten verwendet. Der Dank gilt vor allem den Kameraden der FF Trausdorf und der Ortsbevölkerung. Eines hat man bei dieser Katastrophe ganz deutlich gesehen – die Solidarität und die Hilfsbereitschaft waren einfach großartig.

Den Gemeindeverantwortlichen hat dieses Hochwasser eines ganz klar gemacht: Alles in ihrer Macht Stehende sollte unternommen werden, um eine derartige Katastrophe künftig zu verhindern. Die Sicherheit von Hab und Gut der Gemeindebürger ist die wichtigste Aufgabe der Gemeinde und hat absoluten Vorrang.

Festgäste beobachten von der Wulkabrücke das Entenrennen

"Wir haben daher auch gleich gehandelt: Bereits drei Wochen später wurde das Büro Bichler & Kolbe mit einer Machbarkeitsstudie zwecks Erhöhung der Hochwassersicherheit in Höhe von € 9.288,- beauftragt", erklärte Bürgermeister Viktor Hergovich bei der Festansprache.

Auf Basis dieser Studie wurde am 19.10.2009 ein Ansuchen um Genehmigung von Sofortmaßnahmen an die Abteilung 9 beim Amt der Bgld. Landesregierung gestellt. Konkret wurden Ausweitungen zur Optimierung der Durchflussmenge beantragt und um die Zuteilung von Fördermitteln angesucht. Bei allen von der Gemeinde Trausdorf beantragten Maßnahmen handelte es sich um lineare Sofortmaßnahmen im Gemeindegebiet und standen in keinem Widerspruch zum geplanten Wulkagesamtkonzept.

Mitte Jänner 2010 erfolgte die schriftliche Förderzusage und Genehmigung des HWS-Projektes seitens der BMLF für den Teilabschnitt Magdalenabrücke bis Friedhofsbrücke im Ausmaß von vorerst € 240.000,-. Anfang Feber 2010 wurde die naturschutzrechtliche und wasserrechtliche Genehmigung seitens der BH-Eisenstadt zur Durchführung der Bauarbeiten gegeben, wobei eine Durchflussmenge von 46 m³/s genehmigt wurde (HQ 100 = 83 m³ und HQ 30 = 58 m³). "Ich möchte mich an dieser Stelle bei der BH-Eisenstadt und im speziellen bei Mag. Gerald Leitner für die rasche und unbürokratische Genehmigung und die gute Zusammenarbeit und Unterstützung bedanken", so der Bürgermeister.

Mit der Bauaufsicht und der Durchführung der Arbeiten wurde das BBN beauftragt. Ende Feber wurde mit den Rodungsarbeiten begonnen, wobei alle Bäume die sich im unmittelbaren Abflussbereich befanden zu schlägern waren. Anschließend wurden sämtliche Wurzelstöcke entfernt und rund 12.000 m³ Erdmaterial ausgehoben und das Flussbett entsprechend aufgeweitet.

Mit dem Beginn der Rodungsarbeiten im Feber 2010 war aber die Verunsicherung in der Bevölkerung groß, viele kritische Stimmen waren zu hören die meinten die Baumschlägerungen sind überzogen. Aber alle diese Kritiker wurden bereits wenige Monate danach eines Besseren belehrt.

Spätestens am 15. 8. 2010, als nach einem Starkregen in Wulkaprodersdorf abermals Hochwasseralarm ausgelöst wurde, haben sich unsere Maßnahmen das erste Mal bewährt. Abermals wurden rund 30 m³/s Durchflussmenge gemessen und ohne die durchgeführten Hochwasserschutzmaßnahmen wäre uns ziemlich sicher das gleiche Schicksal getroffen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war die Sicherheit von Eigentum wichtiger als die geschlägerten Bäumen und viele sagten damals: „was sein musste, musste einfach sein“.

Bestärkt durch diese Ereignisse sollte der weitere Ausbau zügig vorangetrieben werden. Im August 2010 erfolgte die Genehmigung seitens des Bundesministeriums für den 2. Bauabschnitt von Magdalenabrücke flussaufwärts bis zur B52-Brücke in Höhe von € 420.000,-. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten waren in Teilbereichen Aufweitungen nur sehr eingeschränkt möglich. Um die behördlich vorgeschriebenen Durchflussmengen sicherzustellen, mussten dabei teilweise Stützmauern errichtet werden. Dies auch darum, um die wenigen Parkmöglichkeiten in der Linken Wulkazeile auch weiterhin sicher zu stellen. Diese Mauern werden in weiterer Folge noch mit Klettergewächsen bepflanzt. Zusätzlich werden noch weitere Baumpflanzungen bzw. auch eine Begrünung erfolgen, sodass sich auch dieser Teilbereich gut ins Ortsbild einfügen wird.

Festgäste und Kinder fischen die Plastikenten aus der Wulka

Im Feber wurden uns der erste Teilabschnitt um weitere € 130.000,- erhöht – damit können die Ausforstungen bis zur Hottergrenze nach Oslip bzw. flussaufwärts finanziert bzw. weitere Aufweitungen unterhalb der Friedhofbrücke sichergestellt werden.

Insgesamt wurden uns für den linearen Hochwasserschutz € 790.000,- genehmigt, wobei 80 % von Bund und Land gefördert werden. 20 % sind seitens der Gemeinde aufzubringen. Viktor Hergovich: "Wir haben mit diesen Baumaßnahmen die Hochwassersicherheit verbessert – wir haben aber noch keinen effektiven Schutz gegen ein 100-jähriges Hochwasser." Dies ist nur durch Rückhaltebecken am Oberlauf sicherzustellen – vor allem im Bereich des Hirmerbaches. Die Gemeinde Wulkaprodersdorf bemüht sich derzeit sehr intensiv die erforderlichen Grundstücksoptionen zur Errichtung eines derartigen Beckens sicherzustellen. Wir werden uns seitens der Gemeinde Trausdorf jedenfalls daran beteiligen, weil es dadurch die Sicherheit für Trausdorf zusätzlich erhöht wird.

Ein altes Sprichwort sagt: Kein Schaden ohne Nutzen! Und so schlimm diese Katastrophe für Trausdorf auch war – sie barg doch eine einmalige Chance für Erneuerung - und diese Chance haben wir genutzt. Durch die eingeleiteten Baumaßnahmen entstand ein Naherholungsgebiet im Herzen unserer Gemeinde. Und mit den eingeleiteten Bepflanzungsmaßnahmen wird es in wenigen Jahren eine grüne Oase werden, die für viele Freizeitaktivitäten genutzt werden wird.

Ehrung Ing. Franz Mracek

Ein besonderer Dank galt dem Trausdorfer Ing. Franz Mraczek bedanken. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung und seiner Kontakte maßgeblichen Einfluss an den der Umsetzung unseres Hochwasserschutzes hatte – außerdem war es ihm ein besonderes Anliegen, zur Verbesserung des Hochwassersicherheit seiner Heimatgemeinde beizutragen. Als Dank für sein großes persönliches Engagement für deine Heimatgemeinde wurde ihm am 14. Mai die Ehrennadel der Gemeinde Trausdorf überreicht.

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