Die kroatische Sprache

Sprachensteckbrief

Grundsätzlich über die burgenlandkroatische Sprache - radišćanskohrvatski jezik - erfährt man im "Sprachensteckbrief Burgenlandkroatisch" des Bildungsministeriums.

Zum Beispiel, dass die Kodifizierung dieser Varietät der kroatischen Sprache erst in den 1980er-Jahren einsetzte. Deshalb sei die Bezeichnung "Burgenlandkroatisch" noch relativ neu. Viele Sprecher/innen der Sprache bezeichnen diese nach wie vor als hrvatski (Kroatisch) oder hrvatski književni jezik (kroatische Hochsprache).

Die Burgenlandkroaten und -kroatinnen sind eine in Österreich anerkannte autochthone Minderheit mit Rechten, die im Staatsvertrag von 1955 verankert wurden.

Seit 1987 ist Burgenlandkroatisch in sechs von sieben burgenländischen Bezirken als Amtssprache anerkannt. In den katholischen Kirchen der Diözese Eisenstadt ist Burgenlandkroatisch eine der offiziellen Liturgiesprachen.

Im Burgenland wird an vielen Pflichtschulen zweisprachig unterrichtet - Burgenlandkroatisch wird dabei als Unterrichtssprache verwendet, so auch an der Volksschule Trausdorf.

Viele weitere interessante Informationen zum Burgenlandkroatischen findet man im Sprachensteckbrief Burgenlandkroatisch

Wiederbelebung des Burgenlandkroatischen

Gero Fischer denkt in einem Aufsatz 2012 über eine Wiederbelebung des Burgenlandkroatischen mit sprachpädagogischen Mitteln nach.

Das Burgenlandkroatische gehöre, so der Autor, zu den gefährdeten Minderheiten, was für Außenstehende schwer begreiflich sei, weil diese Gruppe so gut wie nie im Zentrum minderheitenpolitischer Auseinandersetzungen oder offener Diskriminierung gestanden sei.

Der Katholizismus sei für Jahrhunderte sozusagen der Garant für die Bewahrung von Sprache und kultureller Identität gewesen. Durch Säkularisierung, Mobilität, Landflucht und andere Ereignisse sei diese Kontinuität jedoch verloren gegangen.

Das Burgenlandkroatische drohe zu einer nur mehr gesprochenen Sprache zu werden. Im Schuljahr 2011/2012 seien 1396 Schüler zum Kroatischunterricht in Volksschulen angemeldet gewesen. Vier Jahre Sprachunterricht würden jedoch nicht ausreichen, um ausreichend Lese- und Schreibkompetenz zu erwerben.

360 Schüler wurden damals in Hauptschulen und Neuen Mittelschulen mit Kroatischunterricht gezählt. "Bei dieser Gruppe können wir höchste sprachliche Lese- und Schreibkompetenz in Burgenlandkroatisch annehmen", schreibt Gero Fischer.

Die 365 Schüler der Sekundarstufe II werden in Standardkroatisch unterrichtet.

Der Autor endet mit einem pessimistischen Ausblick auf die Zukunft: Es bleibe nicht mehr viel Zeit, um die Versäumnisse der Vergangenenheit wenigstens teilweise zu korrigieren, um den Verfall wenigstens zu bremsen oder zum Stillstand zu bringen.

Quelle: Gero Fischer. Ist eine Wiederbelebung des Burgenlandkroatischen mit sprachpädagogischen Mitteln realistisch? (2012)

Das Konzept der Muttersprache in Burgenlandkroatischen Gemeinschaften

Überlegungen zur Muttersprache und zur MInderheitenidentität bei den Mitgliedern burgenlandkroatischer Gemeinschaften in Österreichund in der Slowakei stellten die drei Autoren A. Ščukanec, I. Čagalj, A. Skelin Horvat an.

In Interviews, die mit Mitgliedern der genannten Gemeinschaften geführt wurden, gingen die Wissenschaftler der Einstellung der Informanten zur Muttersprache und damit eng verbundenen Themen nach.

Die Autoren kamen zu folgenden Ergebnissen:

a. Mehr Informanten in Österreich halten Burgenlandkroatisch für ihre Muttersprache, auch wenn sie leichter auf Deutsch kommunizieren.
b. Die standardisierte Sprachvarietät in Österreich trägt stark zur Sprachbewahrung bei.
c. In österreichischen Schulen werden sowohl Burgenlandkroatisch (in den ersten Klassen der Grundschule) als auch Standardkroatisch (in der Hauptschule oder im Gymnasium) unterrichtet, während in der Slowakei in der Schule nur Standardkroatisch unterrichtet wird.
d. Die Informanten aus den beiden Gruppen verbinden die Sprache mit der (burgenlandkroatischen) Identität und Ethnizität. Während die Kroaten in Österreich mehr Wert auf Dialekte legen, sind die Kroaten in der Slowakei mit Dialekten nur emotionell verbunden. Den Vorzug geben sie doch der Standardsprache, weil sie, ihrer Meinung nach, viel nützlicher ist.

Quelle: Das Konzept der Muttersprache in Burgenlandkroatischen Gemeinschaften in Österreich und in der Slowakei: Einstellungen und Herausforderungen (Ščukanec, Aleksandra; Čagalj, Ivana; Skelin Horvat Anita, 2018)

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